Zwei FH’s basteln an einer Sehne

Juni 6th, 2008 posted by nheider

Ein Forschungsprojekt des Welser Life Science-Unternehmens igo® hat die Herstellung von patienteneigenem biologischem Sehnenersatz zum Ziel gesetzt. Die so gezüchteten Sehnen bieten Patienten nach Unfällen oder Sportverletzungen Hilfe. Ins Projektteam eingebunden sind Diplomanden der FH-Studiengänge Medizintechnik in Linz sowie Bio- und Umwelttechnik in Wels.

Das Institut für Gewebe- und Organrekonstruktion, kurz igo®, beschäftigt sich seit 2001 mit der Rekonstruktion von humanem Gewebe und konnte über die Jahre schon etliche Erfolge in der Humanmedizin verzeichnen. Routinemäßig werden Knorpelimplantate für Knie, Nasenscheidewand, Schädel und Kiefer für die Kliniken in Österreich, Deutschland und Griechenland angefertigt. Bisher wurden rund 600 Patienten mit durchwegs guten Ergebnissen behandelt.

Im Moment beschäftigen sich die Forscher bei igo® mit der Herstellung von patienteneigenem biologischem Sehnenersatz. Derzeit stehen dem Patienten nur künstliche Implantate oder Implantate aus Spendergewebe zur Verfügung. „Unsere Bestrebungen gehen dahin, dem Patienten Gewebe zu entnehmen, unter sterilen Bedingungen einen Sehnenersatz zu züchten, um ihm schließlich ein körpereigenes und voll verträgliches Implantat einzusetzen zu können“, erläutert igo®-Geschäftsführer Dr. Martin Fussenegger.

Herausforderungen mit der FH OÖ bewältigen

Die Umsetzung eines solchen Projektes stellt eine besondere Herausforderung dar.

Es sind nicht nur biotechnologische Faktoren zu berücksichtigen, auch mechanische Überlegungen sowie Anforderungen an die Materialtechnologie sind wichtige Aspekte.

Um allen Faktoren eines so anspruchsvollen Projektes gerecht zu werden, wurde ein einzigartiges Team aus Diplomanden zweier Fakultäten der FH Oberösterreich zusammengestellt.

Die theoretische und praktische Ausbildung am Welser FH-Studiengang Bio- und Umwelttechnik befähigt die Diplomanden sowohl zur Kultivierung und Aufzucht von Zelllinien, als auch zur qualitativen und quantitativen Analytik der Stoffwechselprodukte der Zellzyklen. Für die Umsetzung und den Aufbau der Versuchsanlage, als auch für die Frage der Verwendung von zertifizierten medizinischen Materialien sowie das industrielle Upscaling, erweisen sich die Diplomanden des Linzer FH-Studiengangs Medizintechnik als besonders geeignet.

Die spezifischen Sichtweisen und Problemlösungsstrategien der der beiden Fachbereiche sind nicht nur für das Unternehmen ein Gewinn. „Auch unsere Diplomanden profitieren von der Möglichkeit, fachübergreifend in einem oberösterreichischen High-Tech-Unternehmen mitzuarbeiten“, weiß Prof. (FH) Dr. Kurt Schilcher vom Studiengang Medizintechnik.